Sonntag, 11. Oktober 2015

[REZENSION] MÖRDERKIND VON INGE LÖHNIG


Quelle: Ullstein Buchverlage



Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 05. Dezember 2014

Seiten: 464
Preis: 9,99 €

ISBN:
978-3-548-61226-3 
Verlag: List

Handlungsort: München, Freising, Marseille und Plouha (Nordbretagne)

 
VERLAGSTEXT
Ihr Leben lang war sie für alle nur das Mörderkind. Fionas Kindheit war ein Alptraum. Und nun ist ihr Vater tot. Seine letzten Worte galten ihr: »Ich bin kein Mörder.« Widerstrebend macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Beginnt nachzuforschen, befragt ihre Familie. Und stößt auf ungeheuerliche Geheimnisse und eine Intrige, deren tödliches Gift bis heute wirkt.



Bisher hatte ich die deutsche Autorin Inge Löhnig nicht auf dem Schirm. Doch bei einem Bummel durch die Buchhandlung ist mir "Mörderkind" in die Hände gefallen und da es sich um einen Einzelroman handelt, habe ich zugegriffen. 
Das Buch hat mich total begeistert, denn die Autorin hat einen sehr ansprechenden Schreibstil und hat es geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Mit Fiona hat sie eine sehr eigenbrödlerische junge Protagonistin geschaffen, die man im wahren Leben wahrscheinlich nicht zur Freundin haben möchte. Doch wenn man bedenkt was sie durchgemacht hat...


"Sie liefen ihr nach und schrien: Mörderkind, Mörderkind!"

München, 2014. Fiona Jacoby (26) teilt sich mit ihrer Freundin Bea eine Wohnung in München. Momentan arbeitet sie als Fahrradkurrierin, hat aber schon einige Jobs und Studiengänge hinter sich. Ihren wahren Traum - Videokunst oder Malerei - möchte sie nicht weiter verfolgen, denn in die Fußstrapfen ihres Vaters möchte sie keinesfalls treten. Auch mit Männern geht sie nur lockere Beziehungen ein, denn auf etwas Festes möchte sie sich nicht einlassen. Sie ist im Grunde eine traumatisierte junge Frau, die mit den Geschehnissen in ihrer Kindheit nicht abschließen kann. Nicht ohne Grund, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt...

Während eines Kurierauftrags erhält sie einen Anruf von ihrem Onkel Ludwig, der ihre Welt komplett auf den Kopf stellt.
"Es tut mir leid, Fiona. Dein Vater ... Er ist gestern Nacht gestorben."
Vorerst verdrängt sie den unerwarteten Tod ihres Vaters Ben. Doch schon kurz darauf erscheint ein junger Mann in ihrer Wohnung und stellt sich als Matthias vor. Er ist der Rettungsassistent, an den ihr Vater seine letzten Worten gerichtet hat.
"Ich soll ihnen sagen, dass er sie immer geliebt hat, dass ihm leidtut, was geschehen ist, und dass er kein Mörder ist." 
Matthias glaubt ihm und Fiona fühlt sich dadurch verunsichert. Ihr Vater ist nach seiner Entlassung in das Haus seines Großvaters gezogen und dieses ist nun abgebrannt. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er daran starb. Die erhoffte Erleichterung über seinen verdienten Tod (?) möchte sich nicht einstellen. Um endlich frei zu sein, macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit und stößt praktisch sofort auf Ungereimtheiten und wundert sich, dass noch niemand genauer hingeschaut hat. 

Fiona war gerade sieben Jahre alt, als ihr Vater wegen Mordes an einer jungen Frau verurteilt wurde. Sein Versprechen "Es wird alles gut" konnte er nicht halten. So musste das kleine Mädchen nach der Verhaftung ihre Vaters und dem Selbstmord ihrer Mutter Lydia, einer Künstlerin, ohne Eltern als "Mörderkind" aufwachsen. Der Bruder ihres Vaters - Ludwig - und dessen Frau Sabine haben sie bei sich aufgenommen. 

Fionas Geschichte wird in der Gegenwart und in der dritten Person erzählt - mit ein paar Rückblicken auf ihre Kindheit. 

Julias Geschichte (auch in der dritten Person)- das Mordopfer - spielt 1995 in Freising. Julia arbeitet in einer Arztpraxis und ist sehr verwöhnt. Ihre Mutter Renate liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Als sie eine Affäre mit Ben beginnt, hat sie scheinbar andere Pläne als er. Die hübsche junge Frau hat sich alles so schön ausgemalt: Ben verlässt seine depressive Frau Lydia ("den zerfledderten Handfeger") und seine Tochter Fiona, hängt seine Arbeit als Bildhauer an den Nagel und steigt in das Familienunternehmen seiner Eltern ein. Immerhin muss er ja seine neue Familie versorgen - denn Julia ist mittlerweile schwanger. Doch seine Reaktion fällt anders aus als erwartet.
"Du musst es wegmachen lassen."
Das hat Julia natürlich nicht vor, denn Kinder sind ja ein wunderbares Druckmittel. Denkt sie... doch kurz darauf muss sie mit ihrem Leben bezahlen... ...und Ben ist der Hauptverdächtige. 
Interssant fand ich die Sicht auf Ben als Mann und nicht wie bei Fiona als Vater. So hat man quasi einen "Rundumblick".
"Was für ein Mann! Groß, breitschultrig, muskulös. Das Blau seiner Augen. Der struppige Bart. dieses kühne Lächeln. Haare wie drahtige Wolle, in die sie mit beiden Händen greifen wollte. Es war diese animalische Ausstrahlung, die ihn so verdammt sexy machte."
Es gibt noch zwei weitere Schauplätze, über die ich aber nichts weiter verraten möchte.
Nur so viel: Marseille 1996 und Plouha (Nordbretagne) 2014. Lasst euch überraschen.

In dieser Geschichte laufen viele Fäden zusammen. Zum einen natürlich die Affäre von Ben und Julia. Bens Familie, die er auf keinen Fall verlieren möchte. Seine Eltern, die er immer nur enttäuscht hat und dann natürlich noch sein Bruder, der immer versucht es den Eltern recht zu machen. Alle wollen etwas von Ben, was der Autorin viel Spielraum für mögliche Täter gibt - falls es Ben nicht doch war. Mit diesem Buch könnt ihr euch auf eine spannende Geschichte, mit nachvollziehbaren Wendungen, gekonnt eingesetzten Zeit- und Ortssprüngen und auf eine sehr eigenwillige Hauptprotagonistin freuen. Die zahlreichen Nebenschauplätze und interessanten Nebencharaktere machen das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Fazit: Ich fand Fiona einfach toll, so eigenwillig sie auch ist. Ihre Figur macht den Hauptteil der Geschichte aus und ihre Recherchen führen sie auch außerhalb des Landes. Ein wirklich rundum gelungener Krimi.

DIE AUTORIN
Inge Löhnig wurde 1957 in München geboren. Sie hat Grafikdesign studiert und später als Artdirectorin in diversen Werbeagenturen gearbeitet. Heute arbeitet sie als freiberufliche Autorin und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von München. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder. Inge Löhnig hat 2007 ihren ersten Roman "Der Sünde sold" - den 1. Band der Konstantin-Dühnfort-Serie - veröffentlicht. Bis heute hat sie zahlreiche Kurzgeschichten und Kriminalromane für Erwachsene und Jugendliche geschrieben.
Quelle: Krimicouch und Wikipedia

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