Sonntag, 18. Oktober 2015

[INTERVIEW] FREDA WOLFF

Hallo Ihr Lieben! Heute gibt es eine Premiere auf meinem Blog. Ich habe mein erstes Autoren-Interview geführt und bin immer noch etwas wackelig auf den Beinen (obwohl es nur per E-Mail war). :-)
http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/cover/9783746631516.jpgIch bin ein großer Fan der Skandinavien-Thriller-Reihe des 
Autorenduos Freda Wolff, in der es um die 
Psychologin Merette Schulman geht.
http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/cover/9783352006746.jpg

Ulrike Gerold und Wolfram Hänel waren so freundlich 
mir einige Fragen zu beantworten
© Milena Schlösser
 















Wie viele Bände der "Merette Schulman"-Reihe haben Sie noch geplant? 
FW: Wir haben den Plot für einen dritten Band, der sich wiederum deutlich auf die ersten beiden Bände bezieht und wir somit also eine Trilogie hätten. Auch für einen vierten Band haben wir bereits ein paar schöne Ideen, da würde dann ein vollkommen neuer Fall ansetzen. Der dritte Band wird übrigens im Winter spielen, mit viel Schnee, Eis, Kälte, Dunkelheit.

Ich habe gelesen, dass der deutsche Maler Andreas Ole Ohlendorff das Vorbild für die Figur Jan-Ole ist, Merettes Ex-Mann. Gibt es auch ein Vorbild für Merette Schulmann?
FW: Es gibt ja immer Vorbilder aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis - das macht es für uns so viel einfacher beim Schreiben, weil man sich dann das Personal viel besser vorstellen kann. Natürlich werden die Personen so verändert, dass sie in die Geschichte passen - und dass sie sich meistens noch nicht mal selber wiedererkennen würden. Auch der Polizist Jan-Ole hat völlig andere Züge als der Maler Ohlendorff, wir haben uns nur ein paar Motive ausgeliehen. Und für Merette hatten wir gleich mehrere Vorbilder, die wir zu einer neuen Figur zusammengefügt haben. 

Entsteht die Figur während des Schreibens und hat man zu Beginn nur eine vage Vorstellung davon, wie sich z. B. Merette weiterentwickeln wird? Kann man nach "Feierabend" einfach abschalten oder begleitet einen die Geschichte während des gesamten Schreibprozesses?
FW: Es gibt zunächst eine sehr klare Vorstellung der Figuren, die wir in Stichpunkten notieren. Tatsache ist aber, dass die Figuren irgendwann auch so etwas wie ein Eigenleben entwickeln und sich manchmal dann recht weit von den ersten Überlegungen entfernen.  Die Geschichte ist immer präsent! Fragen Sie nicht, wie oft einer von uns abends beim Fernsehen oder auch im Gespräch mit Freunden plötzlich aufspringt und sich irgendwo schnell eine Notiz macht, weil ihm etwas eingefallen ist! Und unsere Gespräche untereinender kreisen während der Schreibzeit ohnehin mehr oder weniger nur um "das Eine".

Auf Ihrer Homepage ist ein Bild das Sie beide vor einer riesigen Bücherwand zeigt. Haben Sie all diese Bücher gelesen? Woher kommt die Liebe zur Literatur? Haben Sie schon als Kind gerne gelesen?
FW: Ja, die Bücher in unserer Bücherwand haben wir alle gelesen. Wir haben beide schon als Kinder sehr viel gelesen - und vorher vorgelesen bekommen. Die Lieblingsbücher meiner Kindheit waren die drei Bände von Marie Hamsun, "Die Kinder auf Langerud", die mich bis heute beeindrucken.


Eine Frage die Buchblogger sicherlich interessiert: Haben Sie einen SUB (Stapel ungelesener Bücher) oder gar einen RUB (Regale ungelesener Bücher)?
FW: Es gibt immer einen SUB bei uns! Mal höher, mal nicht so hoch.

Wenn Sie nur ein Buch mit auf eine einsame Insel nehmen dürften, welches wäre das?
FW: Bruce Chatwin, "Auf dem schwarzen Berg".

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
FW: 4 Bücher: Jo Nesbö, "Koma" - klasse! Simon Lelic, "Rupture" - herausragend. Erik Axl Sund, "Krähenmädchen" - belanglos, vor allem stilistisch unmöglich.  Greg Iles, "Natchez Burning" - zunächst sehr zäh und schwerfällig, bekommt dann aber eine sehr eigene Qualität.

Ich würde am liebsten nach jedem Wort ein Komma setzen und mir mag so gar nicht in den Kopf, wann man dass oder das verwendet. Was sind Ihre Schwächen beim Schreiben? Ergänzen sie sich in diesem Fall?
FW: Kommas setzen können wir beide gut (und richtig!), ich habe manchmal ein Problem mit bestimmten Fremdwörtern, Ulrike merkwürdigerweise mit Dativ-/Akkusativbezügen. Aber wir ergänzen uns da ganz gut - und außerdem gibt's ja immer einen Rechtschreibduden!


Ich habe auf Ihrer Homepage gelesen, dass auch Irland einen starken Reiz auf Sie ausübt. Nun spielen ja Ihre Krimis bisher in Hannover und Bergen. Wird es in Zukunft einen Irland-Krimi geben? Könnten Sie sich vorstellen über einen Ort zu schreiben, den sie noch nie (persönlich) besucht haben?
FW:
Irland ist immer ein Thema für uns! Es gab nur bereits viele Geschichten von uns, die dort spielen (vor allem im Kinder- und Jugendbuch, "Giftiges Gold" zum Beispiel, oder auch "Die wilden Ponys von Dublin"). Deshalb wollten wir nicht auch noch mit den Thrillern auf die grüne Insel. - Nein, das geht nicht! Man muss sich auskennen, um über einen Ort zu schreiben. Und es reicht nicht, sich die Infos von Wikipedia oder Google Earth zu besorgen! Du musst wissen, wie die Leute da ticken, wie die Luft schmeckt, du brauchst auch "Insiderwissen", Kleinigkeiten, die auch noch die Bewohner selbst verblüffen.

Diesen Monat erscheint der 2. Band der "Tabori"-Krimireihe im zuKlampen! Verlag. Wie würden Sie mir diese Bücher schmackhaft machen? Was ist besonders an der Figur des Ex-Kommissars Tabori?
FW: Tabori ist einfach ein klasse Typ! Und die "Tabori"-Krimis liefern genau das, was ich eben beschrieben habe: Für jemanden aus Frankfurt, München oder auch aus der Pfalz (;-)) erzählen sie einen spannenden Krimi-Plot, für jemanden aus Hannover (und im neuen Band auch aus Göttingen und Leipzig) setzen sie noch eins drauf, weil der Leser seine Stadt plötzlich mit ganz anderen Augen sieht und entdeckt.

Ich persönlich tue mir sehr schwer mit Kritik. Wie gehen Sie damit um? Lesen Sie überhaupt z. B. Amazon Rezensionen? Immerhin steckt ziemlich viel Herzblut in den eigenen Geschichten...
FW: Der letzte Satz beschreibt es gut: In einer Geschichte steckt immer viel Herzblut! Und damit sind wir angreifbar. Natürlich liefern wir nur etwas ab, wovon wir wirklich überzeugt sind. Mit Kritik umzugehen, ist aber nie ganz leicht, und immer sehr davon abhängig, von wem die Kritik kommt und wie sie begründet bzw. nachvollziehbar ist. Unsere Bücher und Geschichten polarisieren sehr stark, das kennen wir auch schon vom Kinder- und Jugendbuch, entweder jemand findet unsere "Schreibe" gut und lässt sich drauf ein oder er steht davor wie der sprichwörtliche Ochse vorm Scheunentor. Das Problem ist eher, wenn uns jemand sagt, "Talent zum Schreiben ist da" - das ist unglaublich anmaßend und nach über 100 Büchern uns gegenüber echt eine Unverschämtheit, aber solche "Rezensionen" gibt es immer öfter. Und leider können wir es nicht lassen, sie uns durchzulesen.

Ich habe auf Ihrer Seite gesehen, dass Sie sich auch der Musik sehr zugetan fühlen. Was berührt sie mehr - Geschichten (Buch) oder Songtexte (Musik)? 
FW: Immer Geschichten! Nur ganz wenige Songs (die Sie auf der Homepage finden, unter "Fragebogen"!).

Für mich geht nichts über ein "richtiges" Buch. Aber ich kenne auch viele Vielleser die mittlerweile nur noch auf ihrem eReader lesen und sich gar nichts anderes mehr vorstellen können. Was ziehen Sie persönlich vor - gedruckt oder digital? Wobei Ihre Bücherwand ja für sich spricht...
FW: Eben! Gedruckt!!! 


... damit es kein Unglück gibt, noch eine letzte Frage:


Mal abgesehen davon, dass Sie selbst Bücher schreiben, welchen Stellenwert hatten und haben Bücher (anderer Autoren) in Ihrem Leben?
FW: Siehe unsere Bücherwand! Und vor allem sind es immer noch und immer wieder die Autoren, die auch immer noch die Welt verändern wollen.

                                                               Die Bücherwand!
Bildquelle: www.freda-wolff.de


IMMER GUT INFORMIERT
www.haenel-buecher.de
www.freda-wolff.de


DANKE!
Vielen Dank an das Autorenduo für die Beantwortung meiner vielen neugierigen Fragen und die Bereitstellung des Fotos.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare und der Coverabbildungen.
 

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