Samstag, 3. Oktober 2015

[REZENSION] EISIGE SCHWESTERN VON S. K. TREMAYNE


9783426516355
Quelle: Droemer Knaur


Klappenbroschur
Erscheinungsdatum: 04. Mai 2015

Seiten: 400
Preis: 14,99 €

ISBN:
978-3-426-51635-5 
Verlag: Knaur (Droemersche Verlagsanstalt) 

Originaltitel: The Ice Twins (Aus dem Englischen, 2015)
Handlungsort: London, Devon und die
Insel Eilean Torran (fiktiv)
 

VERLAGSTEXT
Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia, die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt. Bald hüllen Winternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühl ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert.



Das Cover finde ich total gelungen, es verursacht mir eine Gänsehaut. Die Farben sind toll, sehr gedämpft und eins der Mädchen ist zur Hälfte unsichtbar. Im Hintergrund sieht man den Leuchtturm der (fiktiven) Donner-Insel Eilean Torran, auf der sich der (mysteriöse) Hauptteil der Geschichte abspielt. 
 "Wer die Inneren Hebriden kennt, wird schnell feststellen, dass "Eilean Torran" große Ähnlichkeit mit der realen "Eilean Sionnach" hat, die auf der Höhe von Isleornsay vor der Insel Skye liegt." (Anmerkung des Autors)
Eigentlich mag ich detaillierte Landschaftsbeschreibungen in Büchern - vor allem dann, wenn ich sie mir bildlich vorstellen kann. Bei dieser Geschichte hatte ich leider meine Schwierigkeiten damit. Der Autor hat sehr sachlich und wenig anschaulich über die  Umgebung und Landschaft geschrieben, so dass ich am Ende die Stellen eher überflogen habe. Kein Zweifel, er kennt sich aus, aber mit seinen eher zweckmäßigen Informationen konnte er mir die Schönheit Schottlands nicht näherbringen.
"Von klein auf bin ich immer wieder auf der malerischen Gezeiteninsel gewesen, in dem weiß getünchten Haus am Leuchtturm, und nicht zuletzt diese Aufenthalte haben mich zu dem Buch angeregt." (Anmerkung des Autors)
Sarah und Angus Moorcraft (beide 30+) sind ein glückliches Paar. Die Geburt ihrer hübchen Zwillingsmädchen Kirstie und Lydia macht ihr Glück perfekt. Sarah arbeitet als freie Journalistin und Angus als Architekt. Sie wohnen in einem schönen Haus in Camden und haben viele gute Freunde. Die Mädchen wachsen glücklich heran, sie sind zwar sehr aufeinander fixiert und haben ihre eigene Sprache - was bei Zwillingen allerdings nicht ungewöhnlich ist. Die selbstbewusste Kirstie ist Papas Liebling und die schüchterne Lydia Mamas. Ein Familienausflug zu den Großeltern nach Devon ändert alles. Sarah ist mit den Kindern (7) allein im Haus, die anderen sind "ausgeflogen". Als sie einen Moment nicht aufpasst, fällt eines der Mädchen im 1. Stock vom Balkon und stirbt an ihren schweren inneren Verletzungen. Nach diesem schrecklichen Schicksalsschlag geht es bergab mit der einst so glücklichen Familie. Angus verliert seinen Job und sie können ihr Haus nicht mehr halten. Sarah kann nur noch mit der Einnahme von Medikamenten ein halbwegs normales Leben führen. Kirstie kommt mit dem Ableben ihres Zwillings am schlechtesten zurecht und ist kaum wiederzuerkennen. Sie verhält sich als wäre sie Lydia ...
"Warum nennst du mich immer Kirstie? Kirstie ist tot. Kirstie war es, die gestorben ist. Ich bin Lydia."
Mit dieser Aussage gerät das Leben der jungen Mutter Sarah abermals aus den Fugen. Kann sie dem verwirrten Mädchen wirklich glauben? Warum macht Kirstie plötzlich so seltsame Andeutungen? Wieso benimmt sie sich wie die verstorbene Lydia? Mit diesen Fragen im Kopf und einem unguten Gefühl im Bauch, zieht die Familie auf die Donner-Insel Eilean Torran, auf der nur sie leben. Das völlig marode Leuchtturmwärterhaus ist im Besitz von Angus Familie und sie beschließen es nach und nach zu renovieren. Ebenso wie die Tatsache, dass die Eltern nicht mehr wissen welches ihrer Zwillingsmädchen überlebt hat, ist auch der Zustand des Hauses irgendwie gruselig. Feuchte Wände, Ratten und im ganzen Haus zieht es. Eilean Torran ist eine Gezeiten-Insel, die drei können also nur mit dem Boot oder bei Ebbe aufs Festland gelangen. Sie melden Kirstie in einer neuen Schule an und es dauert nicht lange, da haben die anderen Kinder Angst vor ihr. Das Mädchen ist völlig verwirrt, sie weiß selbst nicht mehr wer sie ist - als würde jemand ein falsches Spiel mit ihr treiben?!

"Woher weiß ich, wer ich bin?"


Ohne zu viel zu verraten - ich habe beim Lesen nicht eine Minute gedacht, dass Kirstie/Lydia etwas böses an sich hat. Ein Fehler? "Eisige Schwestern" werden sie in der Familie genannt, weil sie am kältesten Tag des Jahres mit weißblonden Haaren und eisblauen Augen geboren wurden. Als ihre Zwillingsschwester stirbt, ist Kirstie sehr verwirrt. Denn immer wenn sie in den Spiegel schaut (oder sich in Glas etc. spiegelt), denkt sie ihre Schwester zu sehen. Dann noch ihre Eltern, die nicht in der Lage sind, die Verwirrung aufzulösen. Denn die Schwestern waren "tupfengleich". Sarah hat ihnen immer einen Nagel lackiert, damit sie die beiden auseinanderhalten kann. Nur an diesem verhängnisvollen Sommertag nicht... 
"Kirstie oder Lydia?
Gut oder böse?
Lebendig oder tot?"
Die Geschichte hat definitiv Bestseller-Qualitäten, auch wenn ich sie etwas zu konstruiert fand. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Autor wollte auf Biegen und Brechen eine gruselige Stimmung erzeugen. Die Flucht auf die Insel war zwar einerseits total spannend, aber irgendwie auch unlogisch. Die beiden sind total pleite und haben zeitweise gar nicht gearbeitet, denken aber trotzdem diese Ruine auf Vordermann bringen zu können. Da man die Insel nur bei Ebbe oder mit dem Boot erreichen kann, haben die beiden sich und ihre Tochter komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Eltern waren mir von Anfang an unsymphatisch. Bei mir haben die beiden Beklemmungen hervorgerufen, schon allein weil ihr Hass aufeinander so offensichtlich war. Der Autor hat den Leser von Anfang an wissen lassen, dass den beiden nicht zu trauen ist. Doch was verbergen sie? Welche Schuld haben sie auf sich geladen?

Im Umgang mit ihrer Tochter haben beide sich total fragwürdig verhalten. Um herauszufinden wer sie ist, hat einer der beiden einen ziemlich hinterhältigen Plan geschmiedet. Telefonisch waren sie auch nie erreichbar, obwohl sie wussten, dass ihre Tochter in der Schule große Schwierigkeiten hat.
 
Die Geschichte wird von Sarah in Ich-Form erzählt und von Angus, der ständig Mordgedanken gegen seine Frau hegt, in der dritten Person. An seinen Mordgelüsten lässt er den Leser rege teilhaben. 

Zu 90 % ist dieses Buch ein Psychothriller, aber es gibt ein paar "unerklärliche Zwischenfälle" - somit haftet der Geschichte ein Hauch "mysteriöses" an.

Fazit: Unbestritten ist dieser Psychothriller/Mysterythriller ein Pageturner mit Bestseller-Qualitäten. Ich hätte ihn niemals nur angelesen aus den Händen legen können, auch wenn die Story mich ab und zu etwas genervt hat. Zusammengefasst ist es eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Der Autor hat eine geniale Idee gut umgesetzt und der Verlag ein tolles Cover beigesteuert - ein stimmiges Gesamtpaket. Auch wenn die Auflösung mich nur halb zufriedenstellt, ergab am Ende alles einen Sinn und meine dringslichtsten Fragen wurden beantwortet.
War der Sturz vom Balkon wirklich ein Unfall?
Welches der Mädchen lebt noch?



© privat


DER AUTOR
Der Schriftsteller und Journalist Sean Thomas ist 1963 in Devon geboren. Er hat zwei Töchter und lebt in London. Unter dem Pseudonym Tom Knox schreibt er Thriller und als S. K. Tremayne hat er bisher nur diesen Psychothriller veröffentlicht.

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