Freitag, 28. August 2015

[REZENSION] HELDENTAGE - DO WHAT YOU LOVE! VON SABINE RAML


http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Raml_SHeldentage_154620.jpg
Quelle: Random House

Hardcover
Erscheinungsdatum: 02. März 2015
Seiten: 304
Preis: 14,99 €

ISBN:
978-3-453-26960-6

Verlag: Heyne fliegt

Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
 
VERLAGSTEXT
Lea ist fünfzehn und hat viele Träume: Sie will schreiben. Sie will rennen, ohne je außer Puste zu sein. Sie will so wunderschön sein wie ihre beste Freundin Pola. In ihren Träumen ist Lea eine Heldin. Im richtigen Leben klappt es manchmal nicht: Gerade hat sich Lenny, Leas erster Freund, von ihr getrennt. Sie vermisst ihn schrecklich. Leas Mutter versinkt in ihren eigenen Problemen und kann Lea nicht helfen. Aber es gibt ja noch Pola und die Clique – und einen tollen neuen Jungen an der Schule, der sich unbegreiflicherweise für Lea interessiert ... Im Laufe eines langen Sommers findet Lea heraus, dass sie eigentlich doch auch eine Heldin ist, jeden Tag ein bisschen.


Lea ist fast 16 und wird von allen nur "Spaghetti" genannt. Wegen ihrer Haare..
Sie möchte gerne eine Heldin sein, ist aber in ihren eigenen Augen nur eine Versagerin. 5 Jahre zuvor hat ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen, um auf Ibiza eine neue Familie zu gründen. Sie selbst ist sitzengeblieben und geht nun mit "Babys" in eine Klasse, worunter sie sehr leidet. Sie hat Angst ihre Clique zu verlieren, da sie sich jetzt nicht mehr jede Minute des Tages sehen. Einen hat sie schon verloren. Lenny... Lenny mit den Monchhichi-Haaren. Er hat mir ihr Schluss gemacht, weil seine Eltern sie für keinen guten Umgang halten. Dabei wissen sie noch nicht mal von ihrer Mutter. Die ihre Wohnung nicht verlässt, die ihre Gefühle im Alkohol ertränkt, die Internet- und Fernsehsüchtig ist und die ihre Tochter schlägt und anspuckt.
"Im Moment ist meine Wange ein brodelnder Vulkan, der heiße Lava spuckt. Kein Wunder, auf meiner rechten Wange ist Mutters Hand nicht gerade sanft gelandet (ein Ufo ist nichts dagegen)."
Besonders berührt hat mich die Tatsache, dass Lea sehr wohl eine Heldin ist, es bloß einfach nicht merkt. Sie geht zur Schule, führt den Haushalt, trägt Klamotten aus der Kleiderkammer, hat Asthma, Hunger und schlimme Hautprobleme. Sie ritzt sich und versorgt ihre Mutter täglich mit Alkohol und Zigaretten - was schlimm ist, aber nicht so schlimm wie die Zornausbrüche ihrer Mutter, wenn sie es nicht tun würde. Außerdem trägt sie Schuhe die viel zu klein und viel zu häßlich sind.
"Wenn jemand auf meine Schuhe guckt, ist das noch viel schlimmer für mich, als wenn er in mein Gesicht guckt, ich meine, alle meine Schuhe sind für die Tonne, aber die rosafarbenen Unterschriften-Nike-Turnschuhe sind echt die Spitze des Eisbergs."

Wenn dieses Mädchen keine Heldin ist - wer dann?

Mit Ironie und Witz meistert Lea ihren Alltag - mal mehr, mal weniger gut. Trotz aller Widrigkeiten gibt sie nicht auf und wenn ihr alles über den Kopf wächst, geht sie in den Keller und schaut sich ihre Postkartentür an. Denn dort liegt ihr die ganze Welt zu Füßen, in Form von Postkarten aus aller Herren Länder. 
"Ich denke pausenlos an fremde Länder, in denen ich später leben werde, und an Häuser, die zwischen einem Meer und hohen Bergen liegen und in denen ich wohne und aus einem großen Fenster hinausschaue in die Welt." 
Außerdem sind die Karten aus Ibiza der einzigste Kontakt, den sie zu ihrem Vater hat. Eine Reise hat sie selbst noch nie gemacht und ihr größter Traum ist es, mit ihrer Freundin und deren Mutter nach Palma de Mallorca zu fliegen. Aber kann sie ihre Mutter einfach alleine zu Hause lassen, und wer macht dann die täglichen Besorgungen beim "Kiosk-Erich"?

Die Geschichte beginnt kurz vor den Sommerferien. 
Könnt ihr euch noch an den letzten Schultag vor den Sommerferien erinnern? Diese Heiterkeit, diese Aufbruchsstimmung. Kaum vorstellbar, dass es Jugendliche gibt die sich davor fürchten. Lea ist eine davon. Denn in diesen 6 Wochen ist sie ihrer Mutter komplett ausgeliefert. Ihre Clique ist in Urlaub und sie erwartet ein großes NICHTS. Davor hat sie panische Angst.

Die Protagonistin Lea erzählt ihre Geschichtein Ich-Form , ohne je weinerlich zu klingen. Mit viel Ironie schildert sie ihren Alltag mit einer alkoholkranken Mutter und einem abwesenden Vater. Ich musste beim Lesen etwas aufpassen, denn Lea hat eine sehr lebhafte Phantasie. In einem Moment befindet man sich noch in der Realität, dann plötzlich in ihrer Gedankenwelt. Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten diesen "Gedankensprüngen" zu folgen. 

"Was ist mit der Liebe?" fragt ihr euch sicherlich. Die kommt nicht zu kurz, denn da wäre der Liebeskummer wegen Lenny und außerdem gibt es noch Joe...Joe mit dem schönen Mund. Ob sie bei ihm wohl ihre "Kussscham" überwinden kann?

Fazit: Das Cover finde ich toll, den Titel auch, ebenso den Schreibstil von Sabine Raml. Die Geschichte hat mich traurig gemacht und nachdenklich, allerdings wurde ich zwischendurch mit witzigen Anekdoten zum Lachen verführt. Eine tolle Erzählung für Jugendliche oder alle anderen Menschen, die eine gute Lektüre zu schätzen wissen.


DIE AUTORIN
Sabine Raml wurde 1973 in Essen geboren und wuchs größtenteils auf einem Campingplatz auf. Heute lebt sie in Berlin - zwar nicht auf einem Campingplatz, aber in der Nähe. 2013 wurde ihr Jugendbuchmanuskript "Heldentage" mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet.

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