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Sonntag, 24. Mai 2015

[REZENSION] 30 TAGE UND EIN GANZES LEBEN VON ASHLEY REAM

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Ream_A30_Tage_und_ein_ganzes_Leben_153898.jpg
Quelle: Random House





Taschenbuch, Klappenbroschur
Erscheinungsdatum: 11. Mai 2015

Seiten: 416
Preis: 12,99 €

ISBN:
978-3-442-74611-8 
Verlag: btb (Random House)

Originaltitel: Losing Clementine (Aus dem Amerikanischen, 2012)
Handlungsort: Los Angeles 






VERLAGSTEXT
Clementine beschließt zu sterben. In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater finden. Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will – und nicht wie andere es von ihr erwarten. Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse – und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war. 

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Quelle: goodreads
Clementine möchte nicht mehr länger unter den Lebenden weilen und beschließt sich das Leben zu nehmen. Trotz des ernsten Themas lässt sich der Roman sehr leicht lesen und ist stellenweise wirklich witzig. Das Cover der deutschen Ausgabe finde ich nicht so passend. Es ist mir zu farbenfroh und widerspricht Clementines Charakter und Einstellung. Sie umgibt etwas düsteres, wogegen dieses farbenfrohe Motiv Freude suggeriert und eigentlich eher zu einem "Happy End"-Buch passen würde. Das Originalcover dagegen, zeigt einerseits die Künstlerin in ihr, aber auch die Dunkelheit die sie sehr oft umgibt. Insgesamt passt es besser zu der Geschichte, auch wenn das Springen von einer Brücke nicht die bevorzugte Todesart von Clementine ist. 

Inhaltlich hat mich die Geschichte total begeistert. Clementine ist eine sehr eigensinnige Frau um die 40.  Sie ist geschieden, kinderlos und eine ziemlich bekannte Künstlerin. Allerdings malt sie ihre besten Bilder unter dem Einfluss von Drogen. Von Konventionen hält sie wenig und nachdem sie beschlossen hat zu sterben, verliert sie auch noch ihre restlichen Hemmungen.  

"Ich ging gerade voll und ganz darin auf, ausschließlich Dinge zu tun, die mit guttaten."

Clementine hat Depressionen. Trotz der vielen Tabletten hat ihre Krankheit sie voll im Griff. Nach ihrem Entschluss sich das Leben zu nehmen, setzt sie alle Medikamente ab und akzeptiert ihr Leiden mit all seinen Folgen. Wie verherrend die sein können, bekommen ihre Freunde, Bekannten und ihr Arbeitgeber sehr bald zu spüren. Bevor sie jedoch ins Reich der Toten hinübertritt, gilt es allerdings noch eine To-Do-Liste abzuarbeiten. Ihr eigene Beerdigung organisieren, ihren Vater aufspüren und für ihren verwöhnten und eigensinnigen Kater ein neues Zuhause finden. Während des Lesens wünscht man sich auch einen Tag tun und machen zu können worauf man Lust hat. Mit Geschirr nach der Nachbarin werfen? Warum nicht! Das Bild einer Konkurrentin zerstören? Na klar! Die Speisekarte des Lieblingsrestaurants rauf und runter essen? Oh jaaaa...
Quelle: Buch                                           © Corinna Bub
 
Die eigene Familie ist ein sehr trauriges Kapitel in Clementines Lebensgeschichte - denn sie hat keine. Ihre Mutter und Schwester sind beide sehr früh verstorben und ihr Vater hat schon lange vorher das Weite gesucht. Sie war zwar mit Richard verheiratet, doch trotz all der Liebe die er für sie empfand, kam er gegen ihre Krankheit nicht an. Sie hat ein paar wenige Freunde, aber in Clementines Leben scheint alles sehr oberflächlich zu sein - vielleicht auch weil ihre Tabletten jegliche Gefühle in ihr abtöten. Als sie nach dem Absetzen der Medikamente endlich wieder richtig fühlen, riechen und schmecken kann, ist zwar das Leben an sich nicht leichter geworden, doch sie lernt wieder zu genießen. Die Autorin lässt die Leser auch an den dunklen Tagen der Protagonistin teilhaben - wenn Clementine nicht aus dem Bett kommt, bewegungsunfähig ist und sich tagelang nicht duschen kann. Diese Szenen sind wichtig, um dem Leser immer wieder in Erinnerung zu rufen, warum die Künstlerin sterben möchte. Denn bei all den lustigen und coolen Sachen die Clementine veranstaltet, könnte einem glatt diese Tatsache entfallen. 
 
Die Story wird in Ich-Form ab Tag 30 "heruntererzählt" und man muss sich tatsächlich bis zum letzten Satz gedulden, um zu erfahren ob Clementine sich wirklich das Leben nimmt. 

Die Autorin Ashley Ream hat ein paar tolle Charaktere geschaffen. Zum einen natürlich Clementine selbst, eine sehr eigensinnige Künstlerin, die auf der einen Seite ein interessantes Leben führt, auf der anderen Seite aber von ihren Depressionen niedergedrückt wird. Ihre Assistentin Jenny, die sich ziemlich viel von ihr gefallen lässt und trotz der Kündigung ständig in ihrer Nähe verweilt.  Richard ihr Ex-Mann, der sie immer noch liebt, aber gleichzeitig versucht sich ein neues Leben aufzubauen - wenn nicht ständig der Störfaktor "Clementine" dazwischen funken würde. Nicht zu vergessen ihr Kater - im Grunde ist er wie sie, nur mit Fell. Außerdem noch ihr Vater, der seine Familie verlassen hat und selbst dann nicht zurückgekommen ist, als Clementine auch noch den Rest ihrer Familie verloren hat.

Der Ausgang der Geschichte hat mich nicht wirklich überrascht, aber sehr erfreut. Hier noch ein großer Dank an die Autorin, dass sie mir ein "Happy End à la Hollywood" erspart hat, denn dann wäre die Geschichte total unglaubwürdig - so etwas passt einfach nicht zu der Protagonistin und auch nicht zum Rest der Geschichte.
Aber ob Clementine nun weiter leben möchte oder ihren Plan tatsächlich in die Tat umsetzt, werde ich hier natürlich nicht verraten. Nur soviel: Das Ende ist gut so wie es ist und als ich das Buch zugeklappt habe, war ich rundum zufrieden mit diesem sehr gelungenen Schmöker.


Quelle: Buch                     © Corinna Bub


Als kleines Goodie, gibt es am Ende des Buches  einen 30-Tage-Kalender mit tollen Ideen, wie man täglich etwas Gutes für sich oder seine Mitmenschen tun kann. 








Fazit: Ich habe einen echten "Buchschatz" entdeckt!
Das Buch ist sehr aufwendig gestaltet und auch wenn das farbenfrohe Covermotiv meiner Meinung nach nicht so richtig zum Inhalt passt, ist es ein echter Hingucker. In die Geschichte war ich regelrecht vernarrt, denn Clementine ist ein sehr interessanter Charakter. Stellenweise war die Geschichte sehr spannend, denn es gab ein paar Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Da das Thema Depressionen sehr ernst ist, war hier Fingerspitzengefühl gefragt. Doch die Autorin hat genau den richtigen "Ton" getroffen und man hatte das Gefühl, dass sie entweder aus eigener Erfahrung spricht, oder sich zumindest sehr in die Materie vertieft hat. 


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© Eric Stone         Quelle: goodreads.com




DIE AUTORIN
"30 Tage und ein ganzes Leben" ist das Debüt der in Wisconsin lebenden Autorin Ashley Ream. Sie begann schon mit 16 Jahren für verschiedene Zeitungen zu schreiben. Momentan arbeitet sie an ihrem zweiten Roman und trainiert für einen Marathon. 
Quelle: Random House



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