Mittwoch, 13. Mai 2015

[REZENSION] DAS NEBELHAUS VON ERIC BERG

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Berg_EDas_Nebelhaus_144819.jpg
Quelle: Random House



Taschenbuchausgabe
Erscheinungsdatum: 

15. Dezember 2014
(Originalausgabe: Limes, 2013)
Seiten: 416
Preis: 9,99 €
ISBN:
978-3-442-38403-7 

Verlag: Blanvalet
Handlungsort:
Hiddensee


VERLAGSTEXT
Seit Jahren haben die Studienfreunde Timo, Philipp, Yasmin und Leonie sich aus den Augen verloren. Als sie sich im Internet wiederbegegnen, verabreden sie sich für ein Wiedersehen auf Hiddensee. Doch das Treffen endet in einem grauenvollen Verbrechen: In einer stürmischen Septembernacht werden drei Menschen erschossen, eine Frau wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Zwei Jahre nach dem Massaker beginnt die Journalistin Doro Kagel, den Fall neu aufzurollen. Nach und nach kommt sie den tatsächlichen Geschehnissen jener Nacht auf die Spur und bald keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht auf.
 
Im Vordergrund steht die Recherche der Journalistin Doro Kagel. Sie lebt alleine und hat einen erwachsenen Sohn. Aufgrund ihrer tragischen Familiengeschichte - ihr Bruder wurde in jungen Jahren ermordert - schreibt sie mittlerweile hauptsächlich über Morde und andere schlimme Verbrechen. Sie kann sich sehr gut in die Hinterbliebenen der Opfer hineindenken und berichtet daher besonders einfühlsam. Über die "Blutnacht von Hiddensee" wurde schon allerhand geschrieben, allerdings möchte eine Zeitung zum Jahrestag einen ausführlichen und gut recherchierten Bericht veröffentlichen.

"Drei Tote und ein Komapatient, das war die Bilanz der "Blutnacht von Hiddensee", die die Ostseeinsel zwei Jahre zuvor erschüttert hat."  

Während die Polizei weiterhin mehr oder weniger im Dunkeln tappt, besucht Doro die Komapatientin, die zur Täterin auserkoren wurde. Wehren kann sie sich ja nicht, dafür versucht es ihre Mutter umso mehr. Noch während des Gesprächs mit der verzweifelten Frau, überkommen Doro Zweifel. Ihrer Meinung nach wurde der Fall zu schnell ad acta gelegt. Um sich auch weiterhin ein besseres Bild machen zu können, besucht sie nach und nach alle lebenden Beteiligten und fügt so ein Puzzleteil ins andere. 

Sie verliebt sich sogar in einen davon und fährt mit ihm auf die Insel, um dort das "Mordhaus" in Augenschein zu nehmen. Ganz schön mutig, wenn man überlegt, welche Zweifel Doro mittlerweile an der Geschichte hegt. Dort angekommen, findet sie etwas ganz anderes als sie erwartet hat. Sie kommt gleich mehreren Geheimnissen auf die Spur, doch haben alle mit diesem tragischen Mordfall zu tun?

Die Journalistin Doro Kagel erzählt in Ich-Form ihre Geschichte und führt den Leser durch ein Labyrinth aus Hass, Liebe, Eifersucht, Grausamkeit, Verdrängung und Vergebung. Sie irrt sich des Öfteren was Tathergang und Täter angeht, aber am Ende steht sie dem Mörder/der Mörderin gegenüber. Gerade weil man nur nach und nach erfahren hat, wer diese "Blutnacht von Hiddensee" überhaupt überlebt hat, war der Kriminalroman besonders spannend.

Kommen wir zum nächsten Teil der Geschichte. In der dritten Person wird ein zweiter Handlungsstrang erzählt. Während Doro sich mühsam die Fakten zusammenrecherchiert, entführt der Autor den Leser ins Jahr 2010 - dem Jahr des Grauens. Hier erfährt man die Hintergründe der Tat und was sich davor alles abgespielt hat. Im ersten Moment wirft das Ganze natürlich mehr Fragen auf, als es beantwortet. 

Hier eine kurze Zusammenfassung: Der Architekt Philipp und seine Frau Genoveva, mit ihrer kleinen Tochter Clarissa, laden alte Bekannte ihres Mannes auf die Ostseeinsel Hiddensee ein. Die Gäste sind Yasmin, Leonie und Timo. Die Protagonisten sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. In jungen Jahren waren sie keine Freunde, aber sie haben sich gemeinsam verbündet, um die Welt ein wenig besser zu machen. Davon ist heute allerdings nichts mehr übrig - sich für etwas einsetzen, sei es für den Tierschutz oder die Umwelt - das war einmal. Es geht nur noch darum, wer was und wieviel man besitzt. Das Leben der Protagonisten könnte nicht unterschiedlicher sein. Indirekt betroffen sind auch die Haushälterin, deren Mann und Sohn. Im Nachhinein wird klar: So indirekt nun auch wieder nicht. 

Der Autor gewährt einen tiefen Einblick in das Leben aller Beteiligten und soviel kann ich sagen: Es tun sich Abgründe auf. Ich hatte des Öfteren Vermutungen, die sich aber immer relativ schnell zerschlagen haben und ich gestehe: Am Ende war ich total überrascht. So gut wie jeder der beteiligten Personen trägt eine Schuld in sich, die aber nicht zwangsläufig mit dieser Nacht zu tun hat. So bleibt auch dieser Teil der Geschichte schön spannend.

© Derek Henthorn
DER AUTOR
Der deutsche Schriftsteller Eric Walz ist 1966 in Königstein im Taunus geboren und lebt heute in Berlin. Nach der Schule hat er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann gemacht und arbeitete danach als kaufmännischer Angestellter. Nach einigen weiteren Jahren, einem abgebrochenen Germanistikstudium, einem Job als Personal Trainer und Model, beschloss er mit 35, sich voll und ganz auf seine Karriere als Autor zu konzentrieren. Er schreibt hauptsächlich historische Romane.
Unter dem Pseudonym Eric Berg verfasst er Kriminalromane für Erwachsene und Jugendliche. 
Quellen: wikipedia, Histo-Couch, Krimi-Couch



 Woher hat der Autor seine Ideen? 
"ALLES hat das Potential, mich zu inspirieren: eine gute Doku im Fernsehen, ein Zeitungsartikel, das Beobachten von Menschen und besonders Pärchen, reale Kriminalfälle … In meinem Kopf entstehen fast jeden Tag neue Geschichten, die ich mir stichwortartig notiere.
Das ganze Interview findet ihr HIER 

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